Für den Sims, die Tante und das schöne Gefühl
So, nun ist es wieder mal geschafft. Heiligabend ist vorbei, es gab keine Tränen und enttäuschte Gesichter – das ist schon mal die Hauptsache. Also, alles gut.
Die erste selbstgemachte Pute ist wunderbar geglückt. Nur zweimal taten sich Fragen auf: 1. „Was macht man mit diesem merkwürdigen Schwanz, der dem Vieh aus dem Inneren heraushängt?“ und 2. „Wie zerlegt man das gute Tier ohne dass es auf dem Tisch total zerfetzt aussieht?“ Doof, nach so langer Garzeit.

Als liebende Mama wünsche ich mir zu Weihnachten natürlich ein schönes Foto von den Jungs. Für den Bilderrahmen auf dem Sims, für die entfernte Tante und einfach überhaupt fürs schöne Gefühl. Aber so emotional scheinen nur wir Frauen zu sein. Der Versuch die Jungs vorm Tannenbaum abzulichten endet in einer Klopperei und nur mit Mühe kann der Baum vorm Umfallen gerettet werden. Zweiter Versuch: Mama mit Kindern. Auf dem kleinen Display der Digitalkamera sah es eigentlich so aus, als wäre das ein oder andere brauchbare dabei: Für den Sims, die Tante und die Emotionen. Heute Morgen habe ich die Bilder auf den Mac überspielt. In Großansicht Enttäuschung pur. Das einzig dauereingefrorene Grinsen stammt von mir selbst. Die Jungs zappeln, ziehen Grimassen oder sehen aus wie auf der Flucht. Das war schon mal nichts. Also keine Fotos für den Sims, die Tante und die Emotionen.


Die Sache mit der Kirche. Für mich gehört der Kirchengang an Heiligabend irgendwie dazu. Aber damit stehe ich recht alleine dar. Der Mann kann nicht mit, er muss ja schließlich die Pute im Ofen überwachen. Auch die Kinder fragen: “Warum müssen wir dahin?” Ja, warum eigentlich? Fürs Gefühl halt. Nicht gerade christlich, gebe ich zu. Das weihnachtliche Gefühl lähmt sich allerdings auch direkt mit Betreten der Kirche. Völlig überfüllt, weil scheinbare viele Menschen an Heiligabend “das Gefühl” haben wollen. Wir kriegen also Plätze ganz hinten, direkt vorm Pfeiler, tauschen dann nochmal, was aber die Sicht in keinster Weise verbessert. Die Kinder treten gegen die Vorderbank und penetrieren mich mit der Frage: “Wann ist das endlich vorbei?”. Innerlich muss ich ja zugeben, dass sie recht haben und freue mich auch, als der Pastor uns alle mit einem “Gesegneten Weihnachten” entlässt. Nächstes Jahr wieder Kirche? Vermutlich ja, denn bis dahin habe ich die Fülle wieder verdrängt und brauche das weihnachtliche Gefühl.
Das Geschenke-Highlight: das Spiel “Kackeldackel”! Ein durch Fernsehwerbung genährter Wunsch des vierjährigen. Wunsch erfüllt und klar, dass wir es gleich spielen mussten. Pädagogisch der absolute Kracher. Man steckt einem Plastikhund Essen (alias Knete) in den Mund, drückt auf eine Leine und das Vieh beginnt zu furzen wie auf Extrem-Durchfall. Irgendwann kommt die „Kacke“ hinten wieder raus. Zum Glück in Gelb! Und in ganzen Stücken! Kopfschütteln bei mir, ein Riesengelächter bei dem 4-jährigen…!

Ja, so war das Heiligabend. War es besinnlich? Ja, das war es. Kriege ich im nächsten Jahr wohl ein besseres Foto? Dass bleibt eher fraglich. Aber erst kommt ja noch Ostern. Da starte ich einen neuen Versuch: Für den Sims, die Tante und das Gefühl.
MehrDie Wulff-Affäre und warum ich das alles nicht verstehe
Also, da gibt es einen Bundespräsidenten, den eigentlich die Mehrzahl der Leute mag. Das seine zweite Frau ein Tattoo trägt, hat Deutschland dann ja doch relativ schnell verkraftet. Nun kommt aber raus, dass dieser, noch vor wenigen Wochen allen so symphatische Mann, sich Geld von einem alten Freund geliehen hat. Warum: Er hat sich scheiden lassen, was ja bekanntlich teuer ist. Dann hat er einen Neustart gewagt. Und brauchte Geld. Ok, auch noch normal. Also leiht er sich Geld nicht von einer Bank, sondern vom alten Freund, der reichlich davon hat. Oder von dessen Frau. Was aber meiner Ansicht nach völlig egal ist. Dann wird er Bundespräsident. Und erzählt nichts von diesem privaten Geldgeleihe. Ok, vielleicht nicht ganz korrekt, aber keine Katastrophe. Er hat ja schließlich keinen beraubt, getötet, vergewaltigt oder ähnliches. Scheinbar aber doch eine Katastrophe. Zumindestens füllt diese Tatsache seit einer Woche die Tageszeitungen auf Seite 1. Ach ja, ich vergas, er hat ja auch noch Gratis-Urlaub bei dem besagten Freund in Florida gemacht. Stimmt, jeder von uns würde natürlich seinen Freunden unbedingt noch Geld aufdrängen, wenn die es nicht nötig haben und irgendwo auf der Welt ein Ferienhaus besitzen. Klar! Und die Fluggesellschaft war auch ganz dreist. Hat dem Ehepaar Wulff einen besseren Sitzplatz angeboten. Ohne Aufpreis. Unverschämtheit. Hätte natürlich auch keiner von uns angenommen. Da werde ich doch gleich noch mal biblisch: „Und wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein…! Oder so ähnlich.
Also abschließend sei gesagt: Liebe Politiker, kümmert euch doch mal lieber um die wirklich wichtigen Dinge, die uns beschäftigen: da gibt es einen Euro, der gerettet werden will, ein Klima, das geschützt werden will und ganz viele Mütter, die gerne die versprochenen Kita-Plätze haben würden. Ok?
MehrWarum ich jetzt eine „Bloggerin“ bin
Heute früh versuchte ich abermals zu verstehen wieso die Zeitungen seit Wochenbeginn voll mit der „Wulff-Affäre“ sind. Ich suchte nach Erklärungen im heimischen Umfeld. Aber auch da stieß ich eher auf Fragezeichen als auf Antworten. Ich legte meine Version der „Affäre“ da und merkte, wie ich mich früh am Samstagmorgen wieder aufregte über die Politiker im allgemeinen, die Zeitungsschreiber, etc. In meiner Aufgeregtheit fiel folgender Satz: „Vielleicht sollte ich Bloggerin werden, da antworten mir vielleicht ein paar Leute.“ War eigentlich nur ein Scherz. Mein Mann fand die Idee großartig. Vielleicht auch nur als Selbstschutz damit ich ihn nicht mehr zutexte. Wie auch immer: Kurze Zeit später hatte er mir einen eigenen Blog eingerichtet. Ja, und hier ist er nun und ich muss mir mal so überlegen, was da so alles reinkommt……
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